Kündigung

Statistisch betrachtet wird nur jede siebte arbeitgeberseitige Kündigung durch das Arbeitsgericht rechtlich überprüft. Wird eine Kündigung nicht angegriffen, führt dies häufig dazu, dass dadurch den Arbeitnehmern Rechtspositionen, die ihnen zustehen (z. B. auch eine Abfindung), verloren gehen. Daher ist es dringend anzuraten, die Wirksamkeit der Kündigung und die Möglichkeiten, gegen die Kündigung vorzugehen, durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht genau prüfen zu lassen.

Grundsätzlich muss jede schriftliche Kündigung innerhalb von drei Wochen nach Zugang durch Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht angegriffen werden, da die Kündigung sonst als wirksam gilt. Eine Kündigungsschutzklage nach Ablauf dieser 3-Wochen-Frist ist nur noch in ganz wenigen Ausnahmefällen möglich (z. B. bei Kenntnis von einer Schwangerschaft erst nach Ablauf der 3-Wochen-Frist oder bei urlaubs/krankheitsbedingter Abwesenheit bei Zugang der Kündigung unter den engen Voraussetzungen eines Antrags auf nachträgliche Zulassung innerhalb von 2 Wochen nach Behebung des Hindernisses)

Ist der Arbeitnehmer an einer Weiterbeschäftigung interessiert, weil er z. B. aufgrund seines Alters Schwierigkeiten sieht, zeitnah einen gleichwertig dotierten anderen Arbeitsplatz zu finden, empfiehlt es sich in jedem Fall, gegen eine Kündigung arbeitsgerichtlich vorzugehen; denn in über 90 % aller ausgesprochenen Kündigungen erklärt das Arbeitsgericht die ausgesprochene Kündigung für unwirksam mit der Folge, dass der Arbeitgeber verpflichtet ist, den Arbeitnehmer zu den gleichen Bedingungen weiterzubeschäftigen. Findet der Arbeitnehmer dann während des Prozesses eine neue Stelle, kann meistens anstelle einer Weiterbeschäftigung mit dem früheren Arbeitgeber eine Abfindung ausgehandelt werden.

Auch in den Fällen, in denen sich der Arbeitnehmer eine Weiterbeschäftigung bei seinem bisherigen Arbeitgeber nach erfolgter Kündigung nicht mehr vorstellen kann (was statistisch in ca. 80 % der Fälle so ist) aber an einer Abfindungszahlung interessiert ist, ist es sinnvoll, sich gegen die meist unberechtigte Kündigung durch Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht zu wehren. Denn sehr häufig werden bei Kündigungsschutzverfahren unter Beteiligung des Arbeitsgerichts Vergleiche dahingehend geschlossen, dass die Kündigung bestehen bleibt und der Arbeitnehmer für den Verlust seines Arbeitsplatzes eine Abfindung erhält. Dabei gilt die Faustregel, dass eine Abfindung umso höher ausfällt, je weniger Gesichtspunkte für die Wirksamkeit der Kündigung sprechen, je länger der Arbeitnehmer vor Ausspruch der Kündigung bereits beschäftigt war und auch je höher das Gehalt war.

Die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses ist für den Arbeitgeber mit schweren formellen und materiellen Hürden verbunden. Statistisch betrachtet scheitern mehr als 90 % aller Kündigungen vor dem Arbeitsgericht. Daher haben Arbeitgeber bei einer arbeitsgerichtlich angegriffenen Kündigung in der Regel ein großes Interesse, sich von dem Risiko der arbeitsgerichtlich erzwungenen Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers (inklusive dem dadurch einhergehenden „Gesichtsverlust" im Betrieb) und dem damit verbundenen Risiko der Nachzahlung der bis zur Entscheidung des Arbeitsgerichts aufgelaufenen Löhne (sogen. Annahmeverzugslohnrisiko) durch Zahlung einer Abfindung und Regelung weiterer für den Arbeitnehmer günstiger Klauseln (wie z. B. längere Kündigungsfrist, bezahlte Freistellung, sehr gutes Zeugnis, flexibler Beendigungszeitpunkt, Regelung streitiger variabler Gehaltsbestandteile aus Zielvereinbarungen) „freizukaufen". 

Simone Schröter

Rechtsanwältin
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Image
Rainer Vetter

Rechtsanwalt
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Wirtschaftsmediator

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok