Bei der Pflichtteilsberechnung ist der halbe Immobilienwert maßgeblich, wenn der Erbe bereits zu 50% Eigentümer der Immobilie ist. Ein Abschlag, weil die geerbten 50% nur schwer veräußerbar sind, ist nicht zu machen.

am Freitag, 09 März 2018. Veröffentlicht in Erbrecht

Ist der Erbe bereits hälftiger Miteigentümer einer Immobilie, deren andere Hälfte er erbt, ist für die Pflichtteilsberechnung nach § 2311 Abs. 2 Satz 1 BGB der Wert der Gesamtimmobilie zu schätzen und hiervon der hälftige Gutachterwert zu berücksichtigen. Die Tatsache, dass für den ererbten Miteigentumsanteil bei isolierter Betrachtung kein Markt vorhanden sein dürfte bzw. nur ein geringer Erlös erzielt werden könnte, kommt es nicht an.
Der Pflichtteilsanspruch ist ein Geldanspruch, der sich aus dem Nachlasswert berechnet. Eine konkrete Methode zur Wertermittlung gibt das Gesetz nicht vor. § 2311 Abs. 1 S. 1 BGB stellt lediglich auf den Bestand und Wert des Nachlasses zur Zeit des Erbfalls ab. Demnach ist der Pflichtteilsberechtigte wirtschaftlich so zu stellen, als sei die Erbschaft am Todestag in Geld umgesetzt worden (BGH NJW 2011, 1004). Zu diesem Stichtag sind alle naheliegenden und wirtschaftlich fassbaren im Keim angelegten Entwicklungen für die Wertermittlung zu berücksichtigen. Erbt ein Miteigentümer den anderen Miteigentumsanteil einer Immobilie, ist eine Veräußerung am Markt problemlos möglich. Ein Abschlag vom Gutachterwert ist daher nicht vorzunehmen, auch dann nicht, wenn die Immobilie veräußert werden muss, um den Pflichtteilsanspruch zu bezahlen. Dies stellt ein regelmäßig mit Erbschaften verbundenes Risiko dar. Die nach dem Erbgang erlangte Alleieigentümerstellung des Erben spiegelt sich wirtschaftlich im Immobiliengutachten wider, wovon der hälftige Wert zur Pflichtteilsberechnung anzusetzen ist. Erbt der Miteigentümer einer Immobilie die andere Hälfte, wird er Alleineigentümer. Zur Pflichtteilsberechnung ist auf Basis eines Gutachtens der halbe Gutachterwert heranzuziehen, wenn die Immobilie nicht verkauft wird. Für den Fall des Verkaufs ist der Verkaufserlös maßgeblich (BGH NJW 2011, 1004).
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